Kein Platz mehr für die Jugend?

Zur derzeitigen Situation “Jugend- & Jugendkultur” habe ich in der Stadtverordnetenversammlung ein kurzes Statement abgegeben, welches ich hier nochmals veröffentliche.

Eberswalde ist eine sehr familien- und kinderfreundliche Stadt. Dafür tun wir eine Menge, denn es hat ja auch eine gute Außenwirkung und es beschwert sich keiner. Doch leider tun wir uns im Bereich Jugend- und Jugendkultur in Eberswalde sehr sehr schwer. Zu diesem Zeitpunkt könnten wir den Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren gleich ein Ticket raus aus Eberswalde spendieren, denn wir haben für diese Altersgruppe kaum mehr Angebote. Vielen Jugendlichen fehlt dadurch zunehmend die Bindung zu ihrer Heimatstadt.

Durch die Schließung des A-Werks, der Umnutzung des Rockbahnhofs und der Reglementierung der Judo-Halle sind z.B. kaum mehr Orte für Jugendkultur vorhanden. Der als Alternative genannte Studentenclub möchte nur noch den Studenten vorbehalten zu sein. Lediglich das Exil hält die Fahne hoch ist aber als einzige Location mit dieser Situation überlastet. Jugend muss sich auf das Wochenende freuen und ein Ziel haben um zu verweilen und auch mal „abzurocken“.

Wir als Stadtverordnete müssen verhindern, dass einzelne Bürger Projekte bis zur deren Einstellung torpedieren, die aber vielen Jugendlichen zu Gute kommen. Projekte wie z.B. die Umgestaltung des Schützenplatz werden von angstgesteuerten Bürgern so lange bemängelt, bis nichts mehr für unsere Jugend bleibt. Einzelne Bürger schaffen es, dass Veranstaltungsorte für viele hunderte Jugendliche stark reglementiert oder gar zugemacht werden. Das kann kein Weg für eine Stadt wie Eberswalde sein! Ich persönlich könnte mich jedes mal aufregen, wenn die Jugend nur auf Schmierereien, Randale und Sauferei reduziert wird. Was ist mit den ganz normalen Kids? Wollen wir die wegen einzelner Idioten bestrafen? Jugend ist oft laut und unbequem, gar keine Frage aber in einer ambitionierten Kreisstadt muss man dies als Bürger und Politiker auch aushalten können. Wir alle waren ein mal jung und bei fast allen war es eine wilde Zeit, dies sollten wir auch der heutigen Jugend in der neuen Zeit zugestehen.

Wir müssen zwischen guter Kinder- und Seniorenpolitik wieder mehr für unsere Jugend tun und etwaige Begleiterscheinungen auch akzeptieren lernen. Durch Nichtstun oder Einstellung von Projekten wird es nur noch schlimmer. Trotz des vielzitierten demografischen Wandels müssen wir viel mehr Engagement in unsere Jugend stecken um in Eberswalde nicht noch schneller zu überaltern. Wenn es an Treffpunkten und Veranstaltungen für Jugend fehlt, die die Kids nicht mehr auffangen, verjagen wir diese bereitwillig aus unserer Stadt. So sichern wir hier keine Fachkräfte für die Zukunft. Ich bitte die Kollegen in der Politik und im Rathaus in Zukunft Projekte für unsere Jugend- und die Jugendkultur noch aktiver zu unterstützen.

UPDATE:
Der Meinung unseres Bürgermeisters, dass die Jugend zwischen 12 – 25 sich selbst Konzepte zur Problemlösung erarbeiten soll, trete ich entschieden entgegen. Wir verlieren Jahre und viele Jugendliche wenn wir nicht zeitnah selbst agieren und darauf warten, dass die Jugend diese Probleme selbst lösen soll. Wofür haben wir eine Verwaltung und die Politik?

~ von Herrmann am 03/06/2011.

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